Biogenes CO₂ in der Abfallverbrennung – zwischen Regulatorik, Methodik und CCS-Potenzial
Auf der Fachtagung des BGS e. V. „Aktuelle Herausforderungen bei Sekundärbrenn- und -rohstoffen“ am 27. November 2025 in Münster referierte Dr. Martin Pohl über ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt:
Wie lässt sich biogenes CO₂ in Abfallverbrennungsanlagen belastbar ermitteln – und was bedeutet das für EU-ETS, RED III und CCS/CCU?
Die aktuelle Situation zeigt:
🔎 Die etablierten Methoden sind anspruchsvoll.
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Die 14C-Methode (ISO 13833) ermöglicht keine Echtzeitbestimmung, da Laboranalysen erforderlich sind.
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Die Bilanzmethode (ISO 18466) setzt umfangreiche Messdaten voraus.
⚖ Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck:
Anlagen mit Sekundärbrennstoffen unterliegen dem EU-Emissionshandel – relevant sind hier ausschließlich die fossilen Anteile. Eine valide Abgrenzung ist daher wirtschaftlich und strategisch entscheidend.
📊 Vereinfachte Massen-, Stoff- und Energiebilanzen können helfen, CO₂-Emissionen zu plausibilisieren und die Messtechnik weiterzuentwickeln.
Ein weiterer wichtiger Aspekt:
Das RAL-Gütezeichen 727 „Biogene Anteile in Sekundärbrennstoffen“ schafft Transparenz bei Probenahme, Analytik und Emissionsberechnung – einschließlich Heizwert, Emissionsfaktor und kohlenstoffbezogenem Biomassegehalt. Die Nachfrage nach belastbaren Nachweisen steigt deutlich.
Für ENVERUM steht dabei die zentrale Frage im Fokus:
Wie schaffen wir robuste Datengrundlagen, die regulatorische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig die Tür für CCS/CCU-Konzepte öffnen?
Denn klar ist:
Die präzise Bestimmung biogener CO₂-Anteile ist nicht nur eine Frage der Bilanzierung – sie ist ein Schlüssel für die Dekarbonisierungsstrategie der thermischen Abfallbehandlung.
Wir bedanken uns auf den fachlichen Austausch in Münster.